Viele Konflikte im Team beginnen nicht mit offenem Widerspruch. Sie beginnen mit einem stillen Satz im Kopf: „Das müsste doch eigentlich klar sein.“
Wer informiert wen? Wie schnell antworten wir? Wann darf jemand selbst entscheiden? Was bedeutet „gut vorbereitet“? Solche Erwartungen wirken, auch wenn sie nie gemeinsam ausgesprochen wurden.
Erwartungen werden schnell zu Bewertungen.
Wenn ich meine eigene Erwartung für selbstverständlich halte, wirkt abweichendes Verhalten leicht wie Desinteresse, Unzuverlässigkeit oder mangelnde Kompetenz. Die andere Person folgt vielleicht einfach einer anderen Vorstellung davon, was in der Situation sinnvoll ist.
Von „eigentlich klar“ zu konkret.
Hilfreich ist, Erwartungen beobachtbar zu machen. Aus „Bitte kommuniziert proaktiv“ kann werden: „Wenn sich ein Termin um mehr als einen Tag verschiebt, informiert die betroffenen Personen direkt.“ Aus „Übernimm Verantwortung“ kann werden: „Triff Entscheidungen bis zu diesem Punkt selbst und hole ab hier Rücksprache ein.“
Auch Führung ist Erwartungskommunikation.
Gerade in Führung entstehen Reibungen, wenn Verantwortung übertragen wird, aber Entscheidungsspielräume unklar bleiben. Transparenz bedeutet nicht, alles zu regeln. Sie bedeutet, gemeinsam zu wissen, wo Freiheit beginnt und wo Abstimmung notwendig ist.
Unausgesprochene Erwartungen verschwinden nicht dadurch, dass wir sie nicht benennen. Oft werden sie nur teurer: in Form von Nacharbeit, Ärger, Rückzug oder Konflikten. Ein kurzes Gespräch darüber kann erstaunlich viel Energie freisetzen.
Du möchtest an dem Thema weiterdenken?
Manche Fragen lassen sich gut allein erkunden. Für andere ist ein Gespräch hilfreich, in dem mehr Platz für eure konkrete Situation ist.
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